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Verena Bentele referiert neben der Seminarleiterin Margit Giegerich

Verena Bentele zu Gast bei Frauenseminar 2016 

Anfang November fand unter der Leitung von der Frauenbeauftragten des DBSV Margit Giegerich, ein Wochenendseminar unter dem Titel „Selbstbewusste Frauen von heute“ statt.

 

BBSB Vorsitzende Judith Faltl übergibt Verena Bentele ein Willkommensgeschenk

 

Neben vielen unterschiedlichen Programmpunkten, trat auch Verena Bentele als prominente Gastrednerin auf. Beate Berger vom Garmischer Tagblatt veröffentlichte folgenden Artikel:

„Trauen Sie sich Ja zu sagen, bevor es Männer tun“

Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele spricht im AURA-HOTEL Saulgrub – Paralympics-Siegerin ermuntert Frauen, Stärke zu zeigen

 

In Deutschland werden sie nicht gezählt. Es gibt keine öffentlichen Erhebungen. So sind selbst die Behörden auf Schätzungen angewiesen, wie viele blinde und sehbehinderte Menschen tatsächlich unter uns leben. Die einzigen Zahlen, die für sich sprechen, sind die mehr als 40 000 Mitglieder des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Dieser sieht seine Hauptaufgabe darin, die Lebenssituation der Sehbehinderten zu verbessern.

Nun hatte der Dachverband zu einem dreitägigen Frauenseminar unter dem Motto „Selbstbewusste Frauen von heute“ ins AURA-HOTEL Saulgrub eingeladen, zu dem rund 70 größtenteils sehbehinderte Menschen aus ganz Deutschland erschienen.

Eine, die blinde Menschen aktiv vertritt, ist Verena Bentele. Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen ist selbst von Kindheit an blind und weiß, wovon sie spricht. Als vierfache Weltmeisterin im Biathlon und Skilanglauf sowie zwölffache Paralympics-Siegerin hat sie bewiesen, was man trotz Einschränkung erreichen kann. Deshalb folgte sie der Einladung des DBSV und hielt im AURA-HOTEL einen Vortrag zu dem Thema „Feminismus und Behinderung – mittendrin statt außen vor“.

Athletin will ein Beispiel sein

„Die meisten Menschen geben ihre Macht auf, indem sie denken sie hätten keine“, zitierte die ehemalige Profisportlerin einleitend Alice Walker, eine schwarze US-amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin. Bentele forderte die Zuhörer auf, Stellung zu beziehen und sich selbst laut zu vertreten. „Wie wir uns durchsetzen, liegt am Bild, das wir von uns haben. Bentele bot sich als Beispiel hierzu an. Sie sei jung, habe eine Behinderung und sei eine Frau. Gerade dies unterstütze ihre Glaubwürdigkeit nur umso mehr, denn wer, wenn nicht sie, wüsste, wovon sie spricht. Gerade wenn es un die Belange behinderter Frauen gehe. Man müsse ein entsprechendes Auftreten zeigen, um Gehör zu finden. Gerade in der Politik werde man mal übergangen.

Verena Bentele forderte die Zuhörerinnen auf, in sich hinein zu horchen, um heraus zu finden, wo die eigenen Stärken liegen. „Trauen Sie sich Ja zu sagen, bevor es zwei Männer tun“, ermutigte sie die Anwesenden, selbst Ämter zu übernehmen und sich zu engagieren. Es brauche heute, forderte die Sportlerin, viel mehr weibliche Vertreter in den Chefetagen von Betrieben und Konzernen: „Wir sind wahnsinnig gut im Jonglieren. Wir halten Familien am Laufen, gehen arbeiten, schmeißen einen Haushalt und gehen nebenher noch schnell einkaufen.“ Anstatt sich dessen bewusst zu sein, würden Frauen dazu tendieren, sich ständig zu entschuldigen. Es sei eine typische Frauengeschichte, einen Satz mit der Abbitte zu beginnen.

Was geschehen kann, wenn Kräfte gebündelt würden, beschrieb die Referentin mit dem Ereignis heuer am 7.Juli. Gemeinsam hatten die Frauen von SPD, CSU und CDU es durchgesetzt, das Sexualstrafrecht zu reformieren mit der simplen Kernaussage „Nein heißt Nein!“ Vor allem für Frauen mit Behinderung, die sich nicht wehren können, sei dieses Gesetz ein großer Fortschritt. Es sei schon viel passiert, doch es gebe noch viel zu tun. Der Beschluss zum Bundesteilhabegesetz steht kurz bevor. Ein Gesetz, das heiß diskutiert wird und an allen Ecken und Enden harkt.

Die Zuhörer des Vortrags im AURA-HOTEL würdigten den Einsatz Verena Benteles für die Belange der Menschen mit Handicap und wünschen sich, dass sie ihnen noch lange Zeit als Behindertenbeauftragte erhalten bleibt.

 

Quelle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 15.11.2016

 

Einen Rückblick auf das komplette Frauenseminar 2016

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